Archive for ‘Deutschland’

September 9, 2012

Saarbrücken und Karcherhof

Die Nacht auf der Streuobstwiese war sternenklar und ziemlich kalt. Am Morgen wärmten uns heißer Kaffee und die ersten zarten Sonnenstrahlen. Nach dem Frühstück holte uns ein Polizeiauto ab, um uns bis zum Saarkanal zu begleiten. Immer am Wasser entlang fuhren wir ca. 35 km über ebene Fahrradwege, auf unserer linken Seite den Saarkanal mit zahlreichen Schleusen, auf der rechten Seite kam nach einigen Kilometern die Saar dazu. Wir fuhren durch wunderschöne Auen und sahen viele Fischreiher. Noch in Frankreich erwarteten uns an mehreren Brücken lokale Polizisten, die darüber informiert worden waren, dass unsere Route dort entlang führte. Nach kurzem Händeschütteln ging es meist nach wenigen Minuten weiter.

An der Grenze wurden wir von zwei deutschen Polizisten auf Fahrrädern in Empfang genommen und die letzten Kilometer Richtung Saarbrücken begleitet. Auf dem Tblisser Platz empfingen uns zahlreiche Stände, u.a. Weltladen, BUND, Greenpeace und Attac – und unsere Küchen-Crew. Auch die saarländische Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Anke Rehlinger, war vertreten und begrüßte uns auf der Bühne. Die Sonne brannte vom Himmel, so dass sich die meisten Radlerinnen und Radler schnell ein schattiges Plätzchen suchten. Auch für die leckere Suppe war es vielen Besucherinnen und Besuchern zu warm.

Nach der öffentlichen Kochaktion packten wir zusammen und fuhren die letzten Kilometer zum Karcherhof, unserem Nachtquartier. Der Karcherhof ist ein Demeter-Betrieb, der zum Verein zur Pflege von Erde und Mensch e.V. gehört und Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen pädagogische Unterstützung bietet. Da der Karcherhof heute sein 25-jähriges Bestehen feierte kamen wir gerade passend zum Hoffest. Am Feuer saßen wir noch lange beisammen.

Am Sonntag ist Ruhetag.

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September 9, 2012

Durch die Vogesen

Nach einer gemütlichen Nacht im Stroh begann der Tag mit einer ausgiebigen Besprechung in der Gruppe, da einige neue Mitglieder dazu gekommen waren. Dadurch starteten wir erst gegen Mittag zu unserer Tagesetappe. Schon bald erreichten wir das Biosphärenreservat der Nördlichen Vogesen, fuhren durch lichte Waldlandschaften und entlang pittoresker Buntsandsteinformationen. Mittagspause machten wir auf einem Biobetrieb in Weyer. Anschließend ging es weiter Richtung Sarrewerden, wo wir übernachten sollten. Am frühen Abend sahen wir unseren roten LKW dann auf einer Streuobstwiese stehen. Unser Tagesprogramm war jedoch noch nicht zu Ende. Ohne Stopp fuhren wir zunächst nach Sarre-Union, wo uns die Confederation Paysanne begrüßte. Feierlich übergaben sie uns ein Plakat mit den Forderungen und Wünschen der elsässischen Bäuerinnen und Bauern an die GAP-Reform. Nach einer kleinen Stärkung ging es dann zurück zu unserem Schlafplatz, wo wir unsere Zelte aufschlugen oder direkt unter dem grandiosen Sternenhimmel schliefen.

September 6, 2012

Von Straßburg nach Saverne

Mit Sonnenschein starteten wir heute morgen auf dem Gutshof Bussière in Straßburg. Die Fahrradwege in der Stadt waren schlecht ausgeschildert, so dass wir uns an jeder zweiten Kreuzung neu orientieren und auch mal umdrehen mussten und daher relativ lange brauchten um Straßburg zu verlassen. Kurz hinter Straßburg ging es dann aber weiter auf ruhigen Landstraßen durch sanfte Hügel. Auffallend waren dabei die endlosen Maisfelder links und rechts der Straße.

Mittagspause machten wir bei einer kleinen Bio-Gärtnerei. Wir durften die Erdbeer-Pflanzen plündern – eine in den Eimer, eine in den Mund, lecker! Nach dieser willkommenen Stärkung (was würden wir nur ohne unser mobiles Küchenteam tun?) ging es weiter über die Hügel. Da es hier schon sehr lange nicht mehr geregnet hatte und tagelang sehr heiß war, waren die Randstreifen und der Mais auf den Feldern sehr trocken. Gemeinsam mit den Pappeln, die wie Zypressen die Felder säumten, hatten wir den Eindruck dem Mittelmeer ganz nah zu sein.

Unser heutiges Etappenziel war Saverne, ein hübscher historischer Ort am Rande des Nationalsparks Nördliche Vogesen, wo wir von der Stadt und der Confederation Paysanne im Rohan-Schloss empfangen wurden. Nach dem obligatorischen Pressefoto setzten wir uns im Stucksaal des klassizistischen Schlosses zu einem Runden Tisch zum Thema GAP-Reform zusammen. Es ging um den Good Food March, über die Aktivitäten der Confederation Paysanne und regionale Projekte stellten ihre Arbeit in und um Saverne vor. Abends ging es dann zum Betrieb von Jacky Kuntz in Ernolsheim les Saverne, wo für uns gegrillt wurde und wir uns anschließend gemütlich ins Stroh kuscheln können.

September 5, 2012

Rheinüberquerung nach Straßburg

Ein langer Tag liegt hinter uns: im Morgengrauen waren wir aufgestanden, damit wir uns um 8 Uhr auf die Fahrräder schwingen konnten. Unser Ziel war Kehl, etwa 35 km lagen vor uns. Dank einer hervorragenden Führung fanden wir unseren Weg sicher durch die Maisfelder und steuerten auf Kehl zu. Überpünktlich kamen wir dort an und hatten noch Zeit für einen Pressetermin bevor uns die Polizeieskorte in Empfang nahm. Auf dem Bahnhofsvorplatz war der Treffpunkt für die gemeinsame Rheinüberquerung und wir wurden von zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern aus Frankreich und Deutschland empfangen. 

Nachdem die Polizei die Europabrücke gesperrt hatte, setzten wir unseren Marsch fort. Oben angekommen gab es eine kleine Ansprache, danach empfing uns die französische Polizei um uns durch Straßburg zu begleiten. Zu Fuß ging es weiter am Hafen entlang und zum Europäischen Parlament. Weiter ging es zum Place Kléber, wo uns unsere mobile Küche empfing und wir uns hungrig auf die Kartoffelsuppe freuten. Gemütlich saßen wir über den Nachmittag beisammen, es wurde Französisch und Deutsch und Englisch gesprochen und viele interessierte Passsanten kamen vorbei und speisten mit uns.

Abends bot die Confederation Paysanne eine Podiumsdiskussion zum Thema “GAP und Ernährungssouveränität” an. Gegen 19:30 Uhr fuhren wir dann – wieder mit Polizeieskorte – quer durch die Stadt zu unserem heutigen Übernachtungsplatz. Da die Polizei alle Straßen absperrte konnten wir mit 20 km/h über rote Ampeln und volle Kreuzungen düsen. Es wurde laut gesungen, untermalt von einem Klingelkonzert. An unserem Ziel angekommen, dem Gut Bussière erwartete uns leider eine kleine Überraschung: durch ein Missverständnis konnten wir nicht auf dem Gelände zelten, sondern mussten auf eine benachbarte Wiese ausweichen. Aber auch dort haben wir uns inwischen gemütlich eingerichtet und freuen uns über eine erholsame Nacht!

 

September 4, 2012

Hinab ins Rheintal

Am gemütlichen Lagerfeuer war es gestern spät geworden und so war die Nacht etwas kurz geraten. Als wir morgens aus den Zelten und Zimmern im Naturfreundehaus kamen, lugte bereits die Sonne zwischen den Tannen hervor. Es versprach ein warmer  und sonniger Tag zu werden!

Die Strecke begann mit einer langen, langen Abfahrt durch ein überaus idyllisches Schwarzwaldtal, entlang eines kleinen Zuflusses der Kinzig. Rechts und links der Straße lagen wunderschöne alte Höfe, teilweise mit Reet gedeckt und filigran holzvertäfelt, umgeben von hübschen Bauerngärten und Schwarzwaldrindern. Im Kinzigtal angekommen verlief die Strecke eben weiter – die Bergetappen haben wir nun erstmal hinter uns gelassen. Mittagspause machten wir auf dem Bio-Hof Reber in Unterentersbach. Weiter ging es auf dem Kinzigtalradweg Richtung Rhein. Da der Tag hielt, was er morgens versprochen hatte, und uns die Sonne und zunehmende Wärme begleiteten, entschlossen wir uns kurzerhand zu einem Abstecher an einen Baggersee. Nach der Erfrischung kam der Endspurt zu unserem heutigen Etappenziel, dem Reitterhof in Ottenheim. Überraschend war, dass wir die nächsten 15 km rechts und links am Wegesrand nur noch Mais sahen – so weit das Auge reichte! Nach unserer Ankunft auf dem Reitterhof und einem köstlichen Abendessen gab es noch eine Hofführung über den Bullenzuchtbetrieb mit seinen teils historischen Anlagen. Und auch das Lagerfeuer fehlt heute abend nicht!

September 4, 2012

Durch den schönen Schwarzwald

Frisch gestärkt vom Frühstück ging es quer durch Bad Dürrheim zur Besichtigung des Bioland-Milchviehbetriebs Antonihof mit moderner Weide- und Laufstallhaltung. Von dort fuhren wir auf schönen Radwegen durch Villingen Richtung Mönchweiler zum Tannenhof Bösinger, einem bäuerlichen Betrieb mit Schweine- und Kälbermast. Nach einer Hofführung und einer Stärkung mit selbstgemachtem Kuchen und Saft ging es tiefer in den Schwarzwald hinein. Es ging auf und ab über Straßen, Forstwege und auf Radwegen. Die Steigungen waren teilweise lang und steil und so kamen wir streckenweise nur langsam voran. Dadurch konnten wir umso besser die schöne Landschaft mit ihren dichten Wäldern und alten Bauernhöfen bewundern. Nach einem kurzen Foto-Shooting mit der Presse kamen wir abends am Naturfreundehaus Sommerecke an, wo Wam Kat und die Fläming Kitchen schon das Abendessen bereiteten. Nach der langen Fahrt waren alle hungrig und so dauerte das Abendessen etwas länger als geplant. Das Abendprogramm begann daher mit leichter Verspätung. Unter dem Motto “Good Food March trifft Forum Pro Schwarzwaldbauern” fand in der mit 50 Leuten voll besetzten Gaststätte des Naturfreundehauses eine Veranstaltung zum Thema: “Welche Agrarpolitik die Schwarzwaldbauern zum Überleben brauchen?” statt. Die angeregte Diskussion ging bis spät in die Nacht und klang beim anschließenden  Lagerfeuer aus.

September 2, 2012

Stop die Schweinefabrik

Auch die zweite Nacht auf der Fischermühle war feucht – der Dauerregen blieb aber diesmal glücklicherweise aus. Erholt stiegen wir um halb neun auf die Räder und fuhren Richtung Rottweil. Begleitet wurden wir von einigen neuen Radlerinnen und Radlern. In Rottweil wurden wir vom B2 Biomarkt begrüßt und zu einem heißen Getränk eingeladen. Danach verließen uns leider einige tapfere MitradlerInnen, die schon seit München dabei waren. Dafür kamen weitere hinzu.

Weiter ging es auf Fahrradwegen Richtung Villingen-Schwenningen. Nach einem Besuch an der Neckar-Quelle erreichten wir dann Bad Dürrheim, wo wir von der “Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung auf der Baar und Schweinezuchtfabriken in Bad Dürrheim” begrüßt wurden. Wam Kat und die Fläming Kitchen hatten schon gekocht und nach einer kurzen Stärkung ging es weiter zu Podiumsdiskussion. Der Raum war mit ca. 160 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt. Schwerpunkte der Diskussion waren Massentierhaltung,  Fleischproduktion und die Verantwortung eines jeden Einzelnen beim täglichen Einkauf mitzuentscheiden, was Tierhaltung kosten darf. Vertreten war der Einzelhandel, ProVieh und Landespolitiker sowie ein schweizerischer Bauer. Die anschließende Diskussion wurde angeregt durch viele detaillierte und kritische Fragen aus dem Publikum. Abends nutzten viele Radlerinnen und Radler die wunderbare Gelegenheit ihre müden Knochen und Muskeln in der nahen Therme aufzuwärmen. Übernachten werden wir heute in einer gemütlichen Turnhalle mit tollem Blick ins Grüne.

September 1, 2012

Ein Tag auf der Fischermühle bei Mellifera e.V.

Mit Dauerregen ging es gestern abend ins Bett und mit Dauerregen wurden wir heute morgen wieder wach. Was ein Glück, dass wir heute nicht auf die Räder steigen mussten! Um 10:30 Uhr begann das umfangreiche Programm, was Mellifera e.V. auf der Fischermühle organisiert hatte mit einer Podiumsdiskussion zur EU-Agrarpolitik. Vertreten waren fast alle Parteien und mit Frau Elisabeth Jeggle (CDU) war sogar eine Europa-Abgeordnete anwesend. Intensiv wurde über Agrarsubventionen, die Rolle der VerbraucherInnen und BäuerInnen und über den Einfluss der Landwirtschaftspolitik auf die Situation der Bienen diksutiert. Von den 70 ZuhörerInnen kamen zahlreiche Fragen und so verging die Zeit wie im Flug.

Nach der Mittagspause fanden Führungen durch die Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle statt. Wir staunten über das hochkomplexe Zusammenleben der Bienen im Stock, lernten verschiedene Arten der Bienenhaltung kennen und konnten die Bienen aus nächster Nähe beobachten. Leider waren die Temperaturen noch immer sehr herbstlich, so dass sich danach alle auf ein heißes Getränk und den anschließenden Film freuten. Detailliert wurden darin die Ursachen des Bienensterbens beschrieben. Nach der Filmbesprechung dampfte auch schon das Essen auf dem Tisch und ein bunter Salat und leckeres Risotto füllten die hungrigen Bäuche. In gemütlicher Runde saßen wir noch lange mit den MitarbeiterInnen von Mellifera e.V. zusammen und drückten fest die Daumen, damit uns Petrus morgen wieder wohlgesonnen sein wird.

August 31, 2012

Durchziehen!

Heute fuhren wir unsere zweite längere Radeletappe. Nach einem Foto-Shooting bei AlbGold – dafür war es gestern einfach zu kalt uns zu nass gewesen – sattelten wir die Drahtesel und starteten in Richtung Westen. Die Strecke war hügelig, aber im Vergleich zu gestern waren die Steigungen sanft und kurz. Petrus war uns einigermaßen wohl gesonnen und verzichtete auf stärkere Regenfälle. Aber kalt war es! Auf der ersten Anhöhe waren es nur 11°C! Schnell fuhren wir weiter und strampelten durch schöne Wälder, entlang kleiner Bachläufe und kleiner Dörfer mit Fachwerkhäusern. Inzwischen waren auch die ersten Bremsbeläge heruntergefahren und so legten wir einen langen Stopp beim Baumarkt ein um uns mit Ersatzmaterialien der unterschiedlischsten Art einzudecken. Beim römischen Freilichtmuseum in Stein warteten Wam Kat und sein Team auf uns und hungrig stürzten wir uns auf das große Mittagsbuffet. Danach ging es weiter – es lagen immer noch viele Kilometer vor uns. Und immer wieder riefen unsere Ordner, die für uns die Straße sperrten: Durchziehen! Aufschließen! Dank ihnen und dank der hervorragenden Kartenleser an der Spitze, die uns sicher durch die Täler und über die Hügel führten, vergingen die restlichen Kilometer fast wie im Flug und am frühen Abend erreichten wir die Fischermühle. Warmes Essen in mehreren Gänge erwartete uns und wärmte die müden Glieder. Einige schlugen ihr Zelt im Gewächshaus auf, andere auf der frisch gemähten Wiese. Beim gemütlichen Lagerfeuer, begleitet von einer Dia-Show der Fotos der letzten Tage neigte sich der Tag dann dem Ende zu. Morgen ist Ruhetag und wir bleiben auf der Fischermühle, wo uns ein vielfältiges Programm erwartet.

August 30, 2012

Über die schwäbische Alb

Nach einer Nacht auf dem Strohlager ging es diesmal richtig pünktlich los. Vor uns lagen gut 60 km über die Schwäbische Alb. Die erste Steigung direkt nach dem Start und  der erste Regenschauer ließen schon ahnen, was uns erwarten sollte. Kurze Zeit später war es allerdings schon wieder trocken und auch die Sonne wagte sich immer mal wieder hinter den Wolken hervor. Das angekündigte schlechte Wetter war also doch an uns vorbei gezogen – dachten wir…

Durch das Schmiechtal fuhren wir durch idyllische kleine Dörfer in denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien, passierten Schafherden und voll hängende Obstbäume. In Buttenhausen empfing uns unser mobiles Küchenauto mit einem leckeren Buffet. Nach einer kurzen Pause verließen wir das Tal – und dann ging es los mit dem Anstieg hinauf auf die schwäbische Alb. Oben angekommen sahen wir dunkle Wolken und hörten den Donner grollen. Wenige Augenblicke später fing das Gewitter an und sollte uns die nächsten 35 km nicht mehr loslassen. Mal kam der Regen von links, dann von rechts, mal stärker und mal schwächer. Am Ende waren wir alle völlig durchnässt und kamen triefend bei Alb-Gold an. Empfangen wurden wir dort mit heißer Schokolade und einer heißen Dusche, die die Lebensgeister zurückholte. Nach einer Führung durch die Gläseren Produktion lud uns Alb-Gold zu einer Nudelverkostung ein. Nudeln sind die beste Nahrung für Sportler, besonders für Radsportler!